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Wie bist du an deine Teilzeitstelle gekommen?


#1

Hallo!

Ich hatte jetzt in den letzten Monaten vermehrt Anfragen bekommen, die sich vor allem um das Thema Teilzeitarbeit drehen. Daher würde ich gerne in die Runde fragen, ob du denn Teilzeit so leicht möglich ist (und ob du überhaupt Teilzeit arbeiten willst) und falls du Teilzeit arbeitest, wie du an diese Stelle gekommen bist.

Ich selbst hatte bisher recht wenig Vollzeit gearbeitet (nie mehr als 6 Monate am Stück, glaube ich, oder zumindest 2 Teilzeitjobs in 2 Organisationen), sondern hatte immer nebenbei etwas gemacht, sei es ehrenamtliche Arbeit, oder eigene Projekte aufziehen - beispielsweise Bloggen oder auch Webseiten entwickeln (woraus ja auch die Plattform NachhaltigeJobs entstanden ist).

Wie es dazu gekommen ist? Bei einer Organisation hatte ich als Student angefangen, daher waren 30 Stunden / Woche eine Erhöhung der Arbeitsstunden von den vorigen 19 Stunden (statt eine Reduzierung von 40 auf 30) :slight_smile: . Ein weiterer Grund wäre, dass ich wohl eher für kleinere Organisationen gearbeitet hatte, wo diese Flexibilität auch eher möglich war.

Aber von einigen Leuten höre ich auch, dass Teilzeitarbeit nicht so gern gesehen wird.

Daher würde ich gerne auch von deinen Erfahrungen hören, wie du an deine Teilzeitstelle gekommen bist.

Viele Grüße,

Oliver


#2

Hallo miteinander!
Jap, das ist ein wichtiger Beitrag zu der Frage: Wie wollen wir zukünftig Arbeiten??? Gesetz dem Fall, das eine Beschäftigung in Teilzeit monetär überhaupt den Bedürfnissen entspricht, sind max. 30/h pro Woche fein, wenn man eigene Interessen, Familie, ausgedehnte Pendelei unter einen Hut bekommen will. :slight_smile: Ich hatte viele Teilzeitbeschäftigungen, die bereits so ausgeschrieben waren (Uni, Hochschule) bzw. Arbeitgeber, die sich (nach Einarbeitungszeit) haben “runterhandeln” lassen. Die Kehrseite war, das ich meine Aufgaben eben in kürzere Zeit stemmen musste. Ein guter deal war auch homeoffice. Bei Präsenzzeiten funktioniert das natürlich nicht.
Freunde, die bei eher konservativen Unternehmen beschäftigt sind, haben sich mit der Anfrage nach Teilzeit aber auch auf einen Schleudersitz begeben. Karriere macht man dort immer noch in Vollzeit…
Da hilft nur: Wir Teilzeitfans oder -gezwungene müssen uns zusammenschließen und das viel mehr zum Thema machen bzw. auch an die AG Verbände heranbringen. Damit ebnen wir vielleicht wenigstens den Weg für unsere nachfolgende Generation. Um so etwas zu organisieren, braucht es aber Zeit neben einem Vollzeitjob und einen laaaaaangen Atem. :grin:
Herzlichst Petra


#3

Hallo,
als ich nach dem Studium mit einer halben Stelle anfing, war das einerseits top, weil ich unbedingt zu diesem Arbeitgeber wollte, andererseits als Einstieg doof (zumal ich zu undiszipliniert war, ein Studium o.ä. in der “zweiten Hälfte” abzuschließen. Bergsport war einfach spannender.).

Mein Mann und ich hatten immer die Familienvision, dass wir zusammen 150% arbeiten. Ich hatte das Glück, nach Kinderpause mit 75% in einen neuen Job im Social Impact-Bereich einzusteigen, der so ausgeschrieben war (25% Homeoffice möglich, das stand schon so im Vertrag und musste nicht verhandelt werden). Ich wurde desöfteren gefragt, ob ich nicht aufstocken wolle, möchte ich nicht. 30 Stunden sind top.
Aus der jetzigen Elternzeit (Kind 3) werde ich erst mit 30%, dann mit 60% Teilzeit in Elternzeit zurückkehren, zum Glück ist mein Arbeitgeber hier recht flexibel. Wann ich dann wieder auf 75% gehe, hängt ein bisschen von den Kurzen ab.

Mein Mann arbeitet 32 Stunden, das hat er mit der Personalabteiltung so verhandelt und es wird dort immer öfter - auch von Männern - nachgefragt.

Eine für uns ideale Kombi - mit dem Haken, dass die beiden Jobs 350 Kilometer auseinander liegen, was das Familienleben noch nicht ganz ideal gestaltbar macht.

Ich bin großer Teilzeitfan - abhängig vom Arbeitgeber. Die Gefahr, für weniger Geld in weniger Zeit doch über 100% zu arbeiten, muss man allerdings gut im Auge behalten oder aber ausgleichen.

Viele Grüße!

(Und an dieser Stelle mal Danke und für Dein Engagement von Newsletter bis Community, Oliver!)


#4

Guten Morgen,

ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt das Thema beim Arbeitgeber anzusprechen. Das waren bei mir nur sehr kleine Unternehmen, aber die Arbeitgeber hatten es teilweise gar nichr in Erwägung gezogen, dass jemand so wenig arbeiten wollen könnte.
Meine erste Teilzeitstelle habe ich nach der Übernahme als Gesellin in meinem Lehrbetrieb ausgehandelt. Sie wollten mich übernehmen und ich wollte auf keinen Fall Vollzeit, das war natürlich eine gute Ausgangspostition.
Bei einer anderen Stelle, war die Position, auf die ich mich beworben hatte schon besetzt gewesen, aber es stand mehr Arbeit an, als eine Person verrichten konnte, also haben wir mir quasi noch eine halbe Stelle geschaffen :slight_smile:
Jetzt gerade stehen 50 Stunden in meinem Vertrag und effektiv sind es mehr. Ich habe das Thema bei meinem Chef schon angesprochen, aber in der Branche ‘gehört es sich nicht’ nur Teilzeit zu arbeiten, weil man für den Job lebt und sich natürlich nichts schöneres vorstellen kann als unbezahlte Überstunden zu machen bla bla bla… ich bleibe dran :wink:

Liebe Grüße


#5

Ich bin auch ein großer Teilzeitfan, weil ich gerne nebenbei eigene Projekte verwirklichen wollte und Zeit für Freunde und Familie haben wollte. Ich habe bisher immer 60% gearbeitet. Nur leider muss ich sagen, dass das finanziell nicht mehr machbar war. Zum einen reichte das Gehalt nicht mehr für die monatlichen Ausgaben, zum anderen habe ich mir Sorgen um meine spätere Rente gemacht. Daher bin ich jetzt Vollzeit und muss leider meine CSR Projekte auf Eis legen. Aber schön war es trotzdem.:slight_smile:


#6

Hallo,

ich habe zwei Kinder und habe nach der Elternzeit (9 und 12 Monate) immer Vollzeit gearbeitet. Seit einem Jahr habe ich für meinen “Kleinen”, der damals 6 Jahre alt war den 2. Teil Elternzeit für 12 Monate eingereicht und mit einer 80% Stelle auf 4 Tage reduziert. Danach habe ich es in eine richtige Teilzeitstelle umgewandelt. Das konnte der Arbeitgeber nicht betriebsbedingt ablehnen. Karriere in Teilzeit ist bei uns aber so gut wie nicht möglich. Den 5. Tag nutze ich für mich selbst und für meine Ehrenämter (Vorstand in einem Begegnungszentrum, Schiedsfrau). Finanziell hat mein Mann etwas aufgestockt, so dass es sich ausglich. Aber unabhängig davon hat mich die Entscheidung auf das Thema “Downgrading” gebracht und ingesamt dazu, mein Konsumverhalten und meine Ausgaben zunehmend kritisch zu hinterfragen. Letztlich hilft es mir auch dabei, mich unabhängiger zu machen vom jetzigen Job. Auch ich überlege mir ggf. ein zweites Standbein aufzubauen (Thema in einem anderen Blog).

Liebe Grüße!


#7

Ich finde das Teilzeit- /30-Stunden-Modell ebenfalls für eine sehr gute Lösung, um eine Balance zwischen bezahlter Arbeit und Familie/Privatleben/Ehrenamt/Nebenprojekten herstellen zu können. Voraussetzung ist natürlich, dass man seine Ausgaben mit der Teilzeitstelle gedeckt bekommt. In diesem Punkt stimme ich dir zu, @susanne812 - wenn die eigene Priorität eher auf “Zeitwohlstand” statt “Güterwohlstand” liegt, macht es Sinn, seine Konsumausgaben mal genau unter die Lupe zu nehmen und sich zu fragen “Was brauche ich wirklich?”.

Es ist schön lesen, dass dieses Modell immer mehr Anklang und seitens vieler Arbeitgeber auch mehr Akzeptanz erfährt - gerade auch für Männer, bei denen Teilzeit eher als unüblich angesehen wird und von denen offenbar noch stärker erwartet wird, sich voll und ganz der Karriere zu widmen.

Vielleicht ein Tipp für alle, die beim Arbeitgeber bisher noch keinen Verhandlungserfolg bgzl. Teilzeit hatten: die Jobsharing-Plattform Tandemploy bringt “Teilzeit-Partner/Innen” zusammen, die sich die Stelle untereinander aufteilen. Bei der Vermittlung wird zudem darauf geachtet, dass sich die Partner/Innen hinsichtlich ihrer Erfahrungen & Kompetenzen gut ergänzen. Besonderen Wert wird z.B. auch darauf gelegt, dass sich Menschen unterschiedlichen Alters eine Stelle teilen - denn hier profitiert die Arbeit wohl besonders von der gegenseitgen Ergänzung an Lebenserfahrung und Herangehensweisen.
Damit hat man auch bei der Verhandlung mit dem Arbeitgeber starke Argumente: weniger Ausfälle (da man sich gegenseitig vertreten kann, wenn eine® mal krank oder im Urlaub ist) und die Qualität der Arbeit nimmt durch den erhöhten Input (mehr Köpfe = mehr Ideen & Kreativität) sowie durch die Entlastung der einzelnen Mitarbeiter/Innen zu.
Voraussetzung ist natürlich, dass die Partner/Innen gut miteinander arbeiten können und ein konstruktives Team bilden. Aber genau das ist ja auch Sinn und Zweck des professionalisierten Vermittlungsprozesses :slight_smile: