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Was sind deine größten Hürden bei der Selbständigkeit bzw. bei deinem Startup?


#1

Nach ca. 4 Jahren Selbständigkeit (jedoch erst seit kurzem 100% selbständig, davor entweder gemischt oder nicht Vollzeit) und einigen holprigen Phasen, komme ich (denke ich zumindest :slight_smile: ) in eine Phase, wo ich die Bürokratie ein bisschen stärker im Griff habe und auch einen guten Kundenstamm habe bei meinen Kundenprojekten, so dass es sich finanziell stabiler ist.

Ich habe gelegentlich (glücklicherweise jedoch recht selten) noch das Problem, dass ich bei Kunden mehrmals mahnen muss, bis eine Rechnung bezahlt wird. Außerdem bin ich teilweise noch an größere Rechnungen angewiesen. Das Problem ist ein bisschen reduziert, da ich nun die Zahlungs-»blöcke« verkleinere, damit der Geldfluss ein bisschen regelmäßiger ist.

Zu Beginn der Selbständigkeit war v.a. die Bürokratie doch sehr nervig. Da ich alles selbst gemacht hatte, musste ich z.B. erst mal lernen, wie das mit der Umsatzsteuervoranmeldung klappt, was ein »geringwertiges Wirtschaftsgut« ist, oder auch welches Buchhaltungssystem am ehesten für mich passt und wie ich Daten in ElsterOnline eintrage.

Daher wollte ich gerne mal wissen, mit welchen Herausforderungen und Hürden du bisher oder aktuell zu kämpfen hast? Ist es die Bürokratie? Sind es die Kunden? Hast du zu wenig Zeit für bestimmte Sachen? Und wie willst du die Sachen angehen?

Das würde mich brennend interessieren!

Viele Grüße,

Oliver


#2

Hauptberuflich bin ich selbständig und erziele damit wenn Aufträge kommen ein für mein Dafürhalten sehr gutes Einkommen, welches dann für einen Monat ausreichend ist. Mit meinem One-Woman-“Laden” praktiziere ich bei Bedarf in 3 Ländern. Das bedeutet, gehe ich ins Ausland, muss ich da immer professionelle Hilfe eines einheimischen Steuerberater in Anspruch nehmen, weil ich das sonst mit der Rechnungsstellung nicht hinkriegen würde. Es ist einfach zu kompliziert geworden, und meiner hier in der Nachbarschaft wo ich wohne, kann das alles wenn es auf seinem Schreibtisch liegt, in einem Wisch bearbeiten. Rentiert sich wirklich und ist auch nicht so teuer… Ich muss auch sagen, dass ich die Arbeit einfach nicht mehr machen will, selbst wenn ich es könnte.

Ich hatte in 11 Jahren nur 1 wirklich säumigen Kunden, ganz am Anfang, wo ich mich als Angestellte mit der Gewerkschaft zusammentun musste und die dann dessen Konto gerichtlich gesperrt hatten. Danach dauerte das 1 Tag und ich hatte mein Geld :smiley: Monatelang hatte ich auf das Geld gewartet, in Höhe meines Monatseinkommens, dass das reinreisst kann man sich leicht vorstellen. Das hat sich in mein Gehirn gebrannt. Ich unterhalte jedenfalls jedes Jahr meinen Berufsrechtsschutz, den ich aber nicht mehr in Anspruch nehmen musste. So Leute, die es bis ins Letzte ausreizen, hab ich immer wieder mal. Verständnis habe ich keines dafür, denn die festangestellten MitarbeiterInnen bekommen ihr Gehalt ja auch pünktlich… Aber das ist nur ab und zu, wirklich, und macht nicht mehr so viel wie Anfangs. Die meisten KundInnen sind nicht nur äusserlich sehr nett, sondern auch gewissenhaft.

Was bisher überhaupt nicht klappt ist der Aufbau eines 2. Standbeins, Warum es nicht klappt, weiss ich nicht. Bei fast allen ArbeitgeberInnen stellte es sich leider heraus dass sie Abwerbungsversuche starteten, und das macht mich fast wild, denn ich fühle mich sehr wohl mit meiner Hauptarbeit. Oder, ihr System will dass man jede Woche 2 Tage arbeitet und es geht nicht, im Block zu arbeiten oder bezahlt nach tatsächlicher Leistung. Das irritiert mich schon, wo doch immer so viel die Rede ist von Neuem Arbeiten z.B. Die Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Und das ist nicht gut, weil ein 2. Standbein fast Notwendigkeit ist bei mir.


#3

Hallo @Betreuerin,

danke für den Input! Mit

meinst du denn, dass du für Projekte immer ins Ausland gehst oder dass du generell längere Zeit im Ausland verbringst und dann online deine Arbeiten erledigst?

Das mit dem 2. Standbein sehe ich bei vielen Leuten. Oft hat man halt ein bisschen Sicherheit vom 1. Standbein, da ist die »Dringlichkeit« bzw. der Druck eines 2. Standbeins nicht so hoch, so dass man dies ein bisschen vernachlässigt (dies kann jedoch auch ein Vorteil sein, weil man man organisch und langfristig aufbauen kann, ohne den Druck, dass im nächsten Monat direkt schon Geld einfließen muss).

Da oft das erste Standbein an einen Stunden- oder Tagessatz gebunden ist (freiberufliche Designerin, Texterin, Redakteurin) will man das 2. Standbein dann auch oft eher zeit-unabhängig machen (z.B. bei einem Blog oder bei einer App ist das Einkommen nicht 1-zu-1 gebunden an dein Zeit-Investment).

Da du ja viel im Ausland bist und sogar vor Ort steuerberatliche Hilfe suchst, nehme ich an, dass dein Englisch sehr gut ist? Dann ist ggfs. diese Website für dich interessant:

Passives Einkommen bedeutet jedoch nicht: Wenig Arbeiten und viel Geld. Sondern es bedeutet eher, man muss am Anfang etwas aufbauen, und zu Beginn vielleicht auch Einbüßen und Risiken nehmen (vielleicht klappt das Geschäftsmodell doch nicht), damit später das Geld nicht an Arbeitszeit gebunden ist, sondern passiv.

Für Inspiration außerhalb der »üblichen« 2.Standbein-Ideen (Bloggen, etc), könnte die Website


vielleicht interessant sein.

Viele Grüße,

Oliver


#4

Vielen Dank für die Links, bestimmt helfen die auch vielen Lesern. Ja, mein Englisch ist sehr gut, da ich auch ausser alldem 3 Jahre in USA und Kanada gelebt habe. Bei mir ist das so dass ich immer nur 1 Kunden auf einmal annehmen kann, vorzugsweise daheim in Deutschland, aber wenn ich eine schöne Aufgabe im Ausland habe, gehe ich speziell darauf ausgerichtet hin, selten länger als 2 Wochen. Sicher kann man auch einmal ein klein wenig Routinearbeit von Daheim mitnehmen. Ohne Auftrag bin ich dann auch lieber daheim wo ich wohne, und wenn ich frei hab, hab ich frei. Man kann sich dann auch richtig auf das konzentrieren, was daheim stattfindet.
Also ich glaube nicht dass mein Talent dahingeht, ein Projekt ganz allein auf die Beine zu stellen, es sei denn es gibt schon eine Aufgabenstellung vorab. Eher so eine aus einem Team, dass zusammen eine Aufgabe bewältigt…