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Rente mit 40, Altersvorsorge und nachhaltiger Lebensstil - Eure Meinung?

Hallo liebe Community,

ich habe mich vor kurzem mit einem sehr interessanten Thema beschäftigt, nämlich dem FIRE-Konzept. FIRE steht für „Financial Independence, Retire Early“ und stellt eine Strategie dar, mit der man verhältnismäßig schnell finanzielle Unabhängigkeit erlangen kann bzw. sich weit vor Erreichen des Rentenalters aus dem Arbeitsleben verabschieden kann. Einige Mitglieder der mittlerweile weltweit aktiven FIRE-Community haben es geschafft, schon mit etwa 40 in Frührente zu gehen (und haben wohlgemerkt zuvor kein überdurchschnittliches Einkommen verdient).

Die FIRE-Strategie ist im Grunde relativ simpel. Man dreht an zwei Stellschrauben: Zum einen reduziert man sein Ausgaben, indem man so genügsam wie möglich lebt - dies kann also in Richtung Minimalismus gehen. Zum anderen betreibt man möglichst effektiven Vermögensaufbau, indem man sein Erspartes langfristig in eine bestimmte Klasse von Wertpapieren (Indexfonds/ETF) anlegt, die - über einen langen Zeitraum hinweg - eine positive Rendite erwirtschaften.

Wer mehr dazu lesen möchte, kann ja mal einen Blick in den entsprechenden Artikel auf NachhaltigeJobs werfen.

Ich persönlich war sehr überrascht, dass es tatsächlich auch Aktienklassen gibt, in die man auch als Durchschnittsverdiener/in und ohne tiefgreifende fachliche Kenntnisse im Bereich Finanzmarkt relativ sicher investieren kann. Ich habe gelesen, dass diese Indexfonds (genannt ETF) von Anlageberater/innen in der Regel nicht erwähnt werden, da sie kaum Provision daran verdienen können und die meisten Privatanleger/innen sie daher auch nicht kennen. Beschäftigt man sich aber mit dem Thema, wirkt es überhaupt nicht so, als hätte eine derartige Investition mit waghalsigen Zockereien oder Spekulationen zu tun, sondern dass es tatsächlich eine nicht zu verachtende Möglichkeit darstellt, fürs Alter vorzusorgen - insbesondere in Zeiten, in denen es keine Zinsen gibt und das Sparkonto durch die Inflation quasi „aufgefressen“ wird.

Bevor ich mich damit beschäftigt habe, stand ich Finanzmarktinvestitionen sehr skeptisch gegenüber - zum einen aus fachlicher Unkenntnis heraus und zum anderen konnte ich mir nur schwer vorstellen, mein Geld in Großkonzerne zu investieren, deren primäres Ziel die Maximierung von Rendite ist. Zwar steigt mittlerweile das Angebot an „grünen“ Finanzprodukten, aber sobald ein Unternehmen an die Börse geht, ist es nunmal darauf fokussiert, Rendite zu machen. Ich behaupte einfach mal, dass es vielen Menschen, die nachhaltig orientiert sind und das aktuelle Wirtschaftssystem mindestens diskussionswürdig finden, ähnlich geht wir mir. Andererseits: Wie kann man heutzutage einigermaßen sicher fürs Alter vorsorgen? Der demografische Wandel zerstört nach und nach die Basis für das aktuell herrschende soziale Rentensystem, die staatlichen Programme (Riester und Co) stehen stark in der Kritik und das Sparkonto bringt ohne Zinsen nicht viel. Und nicht jede/r ist in der Position, sich den Kauf von Immobilien leisten zu können. Würde es daher nicht Sinn machen, sich auch als „Ottonormal-Bürger/in“ mal mit Optionen auf dem Finanzmarkt zu beschäftigen?

Mich würde eure Meinung sehr interssieren - wie sorgt ihr fürs Alter vor? Habt ihr schon Erfahrungen mit Investitionen in Aktien und wie bewertet ihr das im Kontext einer nachhaltigen Wirtschaft? Könntet ihr euch vorstellen, mit Hilfe einer Strategie wie FIRE in Frührente zu gehen? Was würdet ihr mit der gewonnen Lebenszeit anfangen?

Hi Charlotte,
umfangreiches Thema ;-).
Prinzipiell finde ich die Idee durch reduzierte Ausgaben sich finanziellen Spielraum, ob im Jetzt oder im Morgen zu verschaffen überaus sinnvoll. Aus nachhaltiger Sicht ist es aus meiner Sicht verwerflich, wenn du „normale“ börsengehandeltete ETFs kaufst, da sie die Börsenkurse von DAX, MDAX oder DowJones abbilden und damit so nachhaltig/unnachhaltig sind, wie diese Indizes.
Wie du beschreibst, sind ETFs für Finanzberater wenig interessant, da sie niedrige Provisionen abwerfen. Falls du in ETFs investieren möchtest, sollten das mindestens Abbildungen von nachhaltigen Indizes sein, wie z.B. der DowJones Sustainable oder andere. Zumeist sind diese ETFs jedoch eher schwach bis mittelmäßig nachhaltig.
Wie sorge ich finanziell vor? Mischung aus langfristigen & sicheren und eher mittelfristigen & riskanteren Themen.
Das geht vom GLS Bank Aktienfonds (eher risikoreicher), über Geldanlage bei der Umweltbank - Tagesgeld (wenig bis keine Zinsen) bis zu Investments bei der GLS Crowd, Econeers, LeihdeinerUmweltGeld (sehr riskant).
Insgesamt bin ich persönlich zu dem Schluss gekommen, dass meine Erwartung an Zins und Zinseszins die klassische, zerstörerische Wirtschaft befeuert. Dementsprechend habe ich meine Erwartung an Zinsen heruntergeschraubt.
Soviel in Kürze
lg
tim

Hallo @Tim_W,

in der Tat, mit dem Thema kann man sich sehr lange und ausgiebig beschäftigen :wink:

Ich persönlich würde mich auch nicht dabei wohlfühlen, mein Geld in Unternehmen zu investieren, die unmittelbar in z.B. Rüstungshandel, Erdölförderung oder Menschenrechtsverletzungen involviert sind. Aber zum Glück scheint das Thema Nachhaltigkeit am Finanzmarkt langsam Fahrt aufzunehmen, da immer mehr Kund*innen wissen möchten, was mit ihrer Investition eigentlich passiert. Daher gibt es mittlerweile durchaus einige „grüne“ Finanzprodukte und Online-Portale (z.B. nachhaltiges-investment.org), wo man nach spezifischen Kriterien (u.a. Ausschluss von Tierversuchen, Kernenergie, Gentechnik…) filtern kann.
Die „nachhaltigen“ Indices von DAX, DowJones & Co sind, wie du bereits erwähnt hast, mit Vorsicht zu genießen, da sie oftmals den sog. „best-in-class“-Ansatz verfolgen, d.h. es werden die Unternehmen in den Fond mit aufgenommen, die innerhalb der jeweiligen Branche die Kriterien noch am ehesten erfüllen. Das kann aber z.B. auch ein Erdölkonzern sein, der im Vergleich zu den anderen die Umwelt halt ein bisschen weniger schädigt.

Du scheinst dich bereits schon ziemlich gut mit nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten auseinander gesetzt zu haben und hast deine Anlagen sicherlich sehr bewusst ausgewählt. Hast du anhand eigener Recherchen die Auswahl selbst getroffen oder hast du dich professionell beraten lassen? Prinzipiell klingt das Prinzip, auf eine Mischung aus mehr und weniger risikoreichen Anteilen zu setzen, sehr plausibel.

Viele Grüße
Charlotte

Hat sich mit der Zeit entwickelt :wink: . Habe mich erst von klassischen Versicherungsberatern beraten lassen und war mit deren Expertise zum Thema Nachhaltigkeit überaus unzufrieden. Thema Rente dann mal bei der Verbraucherzentrale gegen Honorar, was ich schon deutlich angenehmer fand. Die anderen Themen sind eher ein Ausprobieren und Herantasten, Gespräche, teilweise auch aus meinem Studium (Nachhaltiges Management) und das Lesen von Literatur (Ecoreporter, Grünes Geld).