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Praktika: Kostenlos arbeiten für den Berufseinstieg?

Hallo liebe Community,

nach dem Studium oder Ausbildung kann der Berufseinstieg zu einem Hürdenlauf werden. in vielen Stellenausschreibungen wird Praxiserfahrung erwartet. Oft kann diese über Praktika gesammelt werden. Doch mit einer Bezahlung entsprechend dem regulären Stundenlohn in der jeweiligen Branche ist dabei selten zu rechnen.

Ganz ohne Bezahlung oder nur mit einer geringfügigen Entschädigung werden Praktika in Vollzeit absolviert.

Unter der Bundesministerin Andrea Nahles (SPD) wurde das Mindestlohngesetzt (kurz: MiLoG) beschlossen und ist seit dem 1. Januar 2015 in Kraft. Nahles Anliegen war es neben einer Sicherung der Erwerbsgrundlage die “Generation Praktikum” abzuschaffen. Gemeint sind die Absolvent*innen, die sich teilweise über Jahre von einem Praktikum zum nächsten hangeln, ohne eine feste Anstellung zu bekommen. Damit kam Nahles der großen Zahl von Kritikern entgegen, die befürchten, dass viele Unternehmen die Absolventen als kostengünstige Arbeitskraft ausnutzen würden.

Derzeit liegt der vorgeschriebene Mindestlohn bei 8,84,-€. Für Praktikant*innen ist er allerdings nicht verpflichtend. Kein Mindestlohn erhält, wer einen Freiwilligendienst oder in den Ausbildungsplan verankertes Pflichtpraktikum leistet. Auch ein Freiwilliges Praktikum, das ausbildungs- oder studienbegleitend absolviert wird, muss bei einer Dauer von bis zu drei Monate nicht bezahlt werden. Ab vier Monaten wird der Mindestlohn für die gesamte Praktikumsdauer verpflichtend. Praktika außerhalb der Ausbildungs- oder Studienzeit, sind dagegen in der Regel dem Mindestlohn verpflichtet.

Der Sinn eines Praktikums ist es, innerhalb kurzer Zeit Erfahrungen in einem Betrieb zu sammeln und den Beruf kennenzulernen. Wie viele Aufgaben und Verantwortung während der “Schnupperzeit” übernommen werden, ist teilweise sehr unterschiedlich. Praktikant*innen sind manchmal äußerst nützliche Arbeitskräfte, aber nicht immer. Einige Unternehmen sehen den Mindestlohn für Praktika als nicht tragbar. Sie geben an, dass dadurch die Kosten zu hoch ausfallen würden.

Eindeutige Angaben, wie der Mindestlohn das Angebot von Praktikumsstellen verändert gibt es bisher nicht. Die Mindestlohnkommission der Bundesregierung verweist in einem Bericht von Juni 2016 auf eine Sonderumfrage der Randstad-ifo-Personalleiterbefragung. Demnach wurden 2014 von 70% der Unternehmen freiwillige Praktika angeboten, 2015 waren es nur noch 34%. Dabei gaben 22% der Unternehmen an, dass der Mindestlohn direkten Einfluss auf das Praktikumsangebot haben.

Teilt eure Meinung und Erfahrungen zu dem Thema mit uns:

Seid ihr bereit für wenig oder gar kein Geld ein Praktikum zu machen?

Konntet ihr auch nach dem Studium einen Praktikumsplatz finden?

Praktikum absolviert: Was hat es euch gebracht?

Regina Rohland

Redaktion nachhaltigejobs.de

Tipp:

Hier könnt ihr einen “Quick-Check” machen, ob in eurem Fall Anspruch auf Mindestlohn besteht, Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Gesprochen aus der Sicht eines Arbeitgebers im politisch ideellen Bereich ist mein Gefühl zur Mindestlohnregelung zwiegespalten. Einerseits finden wir es auch für Job-Bewerberinnen nicht hilfreich Praktikum an Praktikum aneinander zu reihen. spätestens nach dem dritten Kurzzeitpraktikum ist eine weitere oberflächliche Erfahrung für uns in der Regel nciht mehr relevant. Wir schauen viel mehr darauf, in welchen politischen Bewegungen oder Organisationen sich Bewerberinnen über einen längeren Zeitraum engagiert haben.

Auf der anderen Seite wird es durch die Mindestlohnregelung schwerer Freiwilligen über einen längeren Zeitraum hinweg diese Erfahrungen bei uns anzubieten. Obwohl wir durchgehend die Mitteilung unserer Praktikant*innen und Freiwilligen bekommen, dass mensch erst nach ein/zwei Monaten so weit war, wirklich effektiv in die Arbeit einzusteigen, bieten wir derzeit in der Regel keine mindestlohnpflichigen Praktika mehr an. Dafür liegen die eigenen Gehälter selber zu nah am Mindestlohn, als dass wir solche Kosten tragen können. Früher, wo wir mit WG-Platz plus Aufwandsentschädigung, plus hier und da mal ein Honorar individuelle Lösungen entwickeln konnten, war das einfacher, ohne dass wir das Gefühl hatten die Freiwilligen besonders auszubeuten. (Auf der anderen Seite haben wir schon vor zehn Jahren Standards entwickelt, die sicher stellen sollten, dass ein Praktikum tatsächlich ein Lerndienst ist für die Freiwilligen und für uns als Organisation.)

Praktika als Berufseinstieg ist für uns auch stimmig, weil wir in unserer engen Nische (Friedensarbeit) Investitionen in Freiwillige auch als Investition in zukünftige Aktivistinnen und im Feld beruflich Tätige sehen. Von gut ausgebildeten Praktikantinnen, die danach tatsächlich einen Job im Bereich finden, profitieren wir als Friedensbewegung, aber auch als Organisation, weil wir so Kontakte im Netzwerk pflegen oder weil sie uns als Organisation erhalten bleiben, im ehrenamtlichen Vorstand oder (zu selten) auch mal als Mitarbeiterin.